Projekt Mosterei


Um den Erhalt der Obstbäume im Ort hat sich die Albvereinsortsgruppe mit Ihrem Fachwart für Obstbau Thomas Baur verdient gemacht. Schnittunterweisungen
für die Baumbesitzer, Obstsortenausstellung und Obstsortenbestimmung, Schädlingsbekämpfung, Pflanzung von Jungbäumen und die Herstellung von Apfelsaft im Schwimmdeckelfass wird den Streuobstwiesenbesitz ern und Saftliebhabern vermittelt.

Die Mosterei im Ort, die von der Volksbank Münsingen betrieben und von der ehemals selbständigen Raiffeisenbank Rietheim gebraucht angeschafft wurde, ist in die Jahre gekommen. Ersatzteile für die Packpresse konnten bei Schäden nicht nachgekauft werden und man musste sie aufwändig selbst herstellen. Die Bank wollte keine großen Investitionen in die Mosterei tätigen.

Überlegungen wurden angestellt, wie die Mosterei, die hier im Ort eine lange Tradition hat, langfristig erhalten werden kann. Die Moster Ernst Bleher und Thomas Baur, Vertrauens mann Egon Steudle und Ortsvorsteher Gerd Söll erörterten die Situation in Gesprächen.

Die Projekte „PLENUM“ und „Regionen Aktiv“ des Landkreis Reutlingen boten für das Vorhaben die entscheidende Hilfestellung. Die Grünflächenberatungsstelle im Landratsamt mit Herrn Schröfel unterstützte die Bestrebungen um eine Verbesserung. In mehreren Besprechungen im Albvereinsausschuss und mit der Stadt- und Ortsverwaltung einigte man sich auf einen Neubau unter der Regie des Schwäbischen Albvereins Ortsgruppe Rietheim.

Die Mosterei sollte zentral im Ort gelegen beim Parkplatz an der Kirche entstehen. Das Grundstück wurde von der Stadt zur Verfügung gestellt. Das Baugesuch wurde von der Firma Dangel entwickelt und im Frühjahr 2002 zur Baugenehmigung eingereicht. Vom Landratsamt Reutlingen kam der Bescheid, dass der Neubau der Mosterei und dem dazugehörigen Maschinenteil (Einbandpresse) mit 40% der Kosten gefördert werde.

Nun musste alles schnell gehen, um die mit dem Bewilligungsbescheid gesetzten Termine einhalten zu können. Klar war, dass der Schwäbische Albverein ohne entsprechende Eigenleistungen seiner Mitglieder und die tatkräftige Mithilfe der Einwohnerschaft das Projekt nicht stemmen kann.

Dann war es soweit. Am 7. September 2002 rollte der Bagger zum Spatenstich an, während die Ortsgruppe ihr Bergwochenende durchführte. In 1900 freiwilligen Arbeitsstunden wurden die Rohbauarbeiten von Rentnern, Vereinsmitgliedern und freiwilligen Helfern von September bis November in einem atemberaubenden Tempo durchgezogen.

Das Richtfest war am 9. November 2002. Den Teilnehmern war nicht zum Feiern zumute, war doch wenige Tage zuvor am 1. November 2002 einer der aktivsten Förderer des Projekts im Alter von 46 Jahren am ersten Tag einer Dreitageswanderung  verstorben. Gerd Goller wird auch im Zusammenhang mit dem Neubau der Mosterei in unvergesslicher Erinnerung bleiben.

Der Innenausbau ( Fenstereinbau, Gipserarbeiten, Fliesenlegen, Elektrik, Wasser, Heizung ) schritt zügig voran. 1000 Stunden wurden in Eigenleistung erbracht.

Die neue Presse wurde in vielen Besprechungen und Besichtigungen ausgewählt. Eine Einbandpresse der Firma Amos in Heilbronn belegte den 1. Platz der Bewerter und wurde sodann auch eingekauft. Für den Aufbau der Maschine mit sämtlichen Ver- und Entsorgungsanschlüssen sowie dem Zubehör mussten 250 Stunden aufgewendet werden.

Die Einbandpresse ging aufgrund des trockenen Sommers 2003 und der damit einhergehenden Frühreife des Obstes bereits am 6. September 2003 in Betrieb. Das Einweihungsfest wurde auf den 27./28. September 2003 festgelegt und wurde auch gebührend gefeiert. Landrat Dr. Wais war zu Gast und spach den Initiatoren ihre Anerkennung aus.

BM Münzing, OV Söll und der Ehrenpräsident des Schwäbischen Albvereins Herr Peter Stoll würdigten das Projekt. Am Sonntag 28. September erschien im Anschluss an eine Hauptausschusssitzung die nahezu komplette Vereinsführung des Schwäbischen Albvereins mit Präsident Dr. Rauchfuß an der Spitze.

Im ersten Jahr wurden 60 000. Liter Saft gepresst.

Das Projekt Mosterei Rietheim konnte durch die Unterstützung des Landkreises Reutlingen in Höhe von 54 000.–Euro über die Programme „PLENUM“ und „Regionen Aktiv“ verwirklicht werden. Neben dem Grundstück half die Stadt Münsingen mit 4800.–Euro über die Vereinförderung mit.

Die Ortschaftsräte aus Rietheim steuerten 4 000.–Euro bei.

Die Aufzählung lässt sich weiter fortsetzen.

Hierfür an dieser Stelle allen „Herzlichen Dank“.

Im Jahr 2004 baute sich der Schwäbische Albverein OG Rietheim im Dachgeschoss aus eigenen Mitteln einen Vereinraum ein. 870 Stunden wurden hierfür aufgewendet. Dieser Vereinsraum ist zur Verköstigung der im Haus produzierten Köstlichkeiten Anlaufstationfür viele Besucher und Besichtiger geworden. Die Öffnungszeiten können unter 07381/8716 oder auf diesen Seiten unter Vereine/ Schwäbischer Albverein OG Rietheim abgefragt werden.

Im Jahr 2004 wurden 100 000 Liter Saft gepresst.

Im Jahr 2005 konnten die Außenanlagen mit einem Aufwand von 450 Stunden zum Abschluss gebracht werden. Das Kleinod Mosterei in der Ortsmitte von Rietheim wirkt  sich positiv auf die Streuobstbestände von Rietheim und weit darüber hinaus in die Region aus.

Trotz schlechter Obstertragslage konnten 2005 wieder 65 000 Liter Saft hergestellt werden.

Gerd Söll im Dez. 2005